Bayern

Nachwuchsinitiative Bayern 2040: Expertenanhörung im Bayerischen Landtag

Am 18. März 2025 fand im Ausschuss für Fragen des öffentlichen Dienstes eine Expertenanhörung zum Thema „Öffentlicher Dienst – Nachwuchsinitiative Bayern 2040” statt. Vertreterinnen und Vertreter aus Ministerien und Gewerkschaften diskutierten zentrale Herausforderungen und Lösungsansätze für die Nachwuchsgewinnung im öffent­lichen Dienst in Bayern.

Dringender Handlungsbedarf in vielen ­Bereichen

Die Experten waren sich einig, dass der öffentliche Dienst in Bayern vor er­heblichen Herausforderungen steht, ­qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen. In den letzten Jahren hat sich das Problem zunehmend verschärft. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Insbesondere die demografische Entwicklung, veränderte Erwartungen junger Bewerberinnen und Bewerber an ihren Arbeitsplatz sowie die zunehmende Konkurrenz zur Privatwirtschaft erschweren die Nachwuchsgewinnung. Darüber ­hinaus waren die letzten Jahre von enormen globalen Herausforderungen geprägt, wie dem Krieg in der Ukraine oder der Corona-Pandemie, deren Bewältigung den öffentlichen Dienst zunehmend an seine personelle Belastungsgrenze gebracht hat und weiter bringt. Im Fokus der Anhörung stand dabei der besondere Bedarf an Lehr- und Polizeikräften sowie Fachkräften in der Steuer- und IT-Verwaltung. Andere Bereiche des öffentlichen Dienstes in Bayern wurden nicht beleuchtet.
 

Lehrkräfte

Die Experten hoben hervor, dass besonders der Grund- und Mittelschulbereich vom Lehrermangel betroffen sei. In den letzten Jahren wurden bereits Maßnahmen ergriffen, die dem entgegenwirken sollen, u.a. Ermöglichung des Quereinstiegs, attraktivere Rahmenbedingungen („A13 für alle“) und Einschränkungen bei der Teilzeit- und Beurlaubungsmöglichkeiten. Zukünftig setze man auf eine professionelle Werbekampagne sowohl im digitalen als auch im analogen Bereich (u. a. Socia-Media-Werbung, Influencer, Beratungsangebote an Uni und Schule).
 

Polizei

Die Probleme bei der Nachwuchsgewinnung wurden im Polizeibereich schon früh erkannt. Es gibt bereits seit 2013 eine professionelle Werbekampagne mit externen Beratern. Diese überprüfen und bewerten in regelmäßigen Abständen die Maßnahmen. Auch habe man schon früh erkannt, dass man verstärkt in digitale Werbemaßnahmen investieren müsse, um potenzielle Bewerberinnen und Bewerber zu erreichen. Eine besondere Herausforderung im Polizeibereich sei allerdings die sehr hohe Abbrecherquote während der Ausbildung. Diese führe dazu, dass trotz hoher Bewerberzahl nicht alle Stellen besetzt werden können.
 

Steuerverwaltung und technische Berufe

Neben den allgemeinen Herausforderungen leide die Steuerverwaltung unter der Abwanderung in die Privatwirtschaft. Die Arbeitsbedingungen, insbesondere was den Verdienst anbelangt, seien für Beschäftigte z. T. erheblich attraktiver. Innerhalb der Steuerverwaltung versuche man gezielt den Personalbedarf durch technische Möglichkeiten (KI und Digitalisierung) auszugleichen. Dies werde man in den kommenden Jahren noch weiter ausbauen.

Die Gewinnung von IT-Fachkräften ­stelle aufgrund der Konkurrenz zur freien Wirtschaft nochmals eine besondere Herausforderung dar. In der Vergangen­heit wurden bereits eine Reihe von Maßnahmen getroffen (Stellenhebungsprogramme, Einführung eines neuen IT-Fachkräftegewinnungszuschlags etc.). Weitere Maßnahmen seien aber notwendig, um nicht hinter der freien Wirtschaft zurückzubleiben.
 

Kommunikations­strategie

Die Experten waren sich einig, dass eine ganzheitliche, ressortübergreifende Strate­gie erforderlich sei, um den steigenden Personalbedarf zu decken. Insbesondere müsse man verstärkt moderne Kommunikationswege nutzen, um junge Menschen gezielt anzusprechen. Als ersten wichtigen Schritt in diese Richtung wird das ressort­übergreifende Karriereportal mit Stellenbörse der Bayerischen Staatsregierung gesehen. Unter www.sei-dabay.de wird ein Einblick in die verschiedenen Karriere­möglichkeiten beim Staat gegeben und zahlreiche Berufsfelder vorgestellt. Ziel sei es, den Staat als Arbeitgeber zu präsentieren und die einzelnen Tätigkeitsbereiche vorzustellen. Vor allem aber wird dort auch der Gedanke aufgegriffen, Testimonials von Beschäftigten zu verwenden, um künftigen Bewerbern einen Eindruck in Sachen Arbeitsumfeld und Mitarbeiter­zufriedenheit zu verschaffen. Dieser Weg müsse konsequent weiterentwickelt werden.
 

Flexibilität und Digi­talisierung als Schlüssel­faktoren

Ein wesentlicher Faktor sei allerdings die Steigerung der Attraktivität des öffentlichen Dienstes als Arbeitgeber. Flexiblere Arbeitszeitmodelle, mobiles Arbeiten und moderne digitale Aus­stattung wurden als entscheidende Faktoren genannt, um den öffentlichen Dienst für Bewerberinnen und Bewerber attraktiv und zukunftsfähig zu machen.