BBB: Was reizt Sie am Amt des dbb Fachvorstand Beamtenpolitik? Was war ihre Motivation, dafür zu kandidieren?
Waldemar Dombrowski: Vor allem die große und komplexe Aufgabe in anspruchsvollen, herausfordernden Zeiten. Mit Blick auf die multiplen Krisen, denen die Bundesrepublik derzeit begegnen muss, möchte ich dazu beitragen, den öffentlichen Dienst im Allgemeinen und das Berufsbeamtentum im Besonderen zu stabilisieren und weiterzuentwickeln – nicht zuletzt, weil das Berufsbeamtentum nach wie vor die „Kernmarke“ des dbb ist.
Und haben sich Ihre Erwartungen bewahrheitet?
Ja, absolut. Ich gehe die Aufgabe weiterhin mit Freude und entschlossen an, denn ich kann mit einem kompetenten und vielfältigen dbb-Team arbeiten. Auch die vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem dbb Bundesvorstand, dem ich seit 2002 angehöre, kann ich in neuer Funktion engagiert fortsetzen.
Sind Sie mit bestimmten Zielen angetreten?
Angesichts des demografischen Wandels und des zunehmenden Fachkräftemangels werden wir alles dafür tun, die Attraktivität des öffentlichen Dienstes und die des Berufsbeamtentums zu verbessern. Dazu gehört, die praktische Relevanz des Staatsdienstes gegenüber der Bevölkerung und insbesondere Wirtschaft, Medien sowie Politik noch nachdrücklicher aufzuzeigen. Die Modernisierung der Verwaltung muss als Gemeinschaftsaufgabe des ganzen Landes begriffen und vorangetrieben werden. Die großen Herausforderungen – nehmen wir aktuell nur mal den Bürokratieabbau oder die Digitalisierung – kann ohnehin niemand alleine bewältigen. Entweder es packen alle an – oder wir werden immer nur Stückwerk erledigen.
Bei den Bundesbeamtinnen und -beamten stehen konkret natürlich die überfällige Umsetzung einer amtsangemessenen und verfassungskonformen Alimentation und die Rückführung der Wochenarbeitszeit ganz oben auf der Agenda. Der wachsende Personalmangel erfordert außerdem eine kluge Weiterentwicklung des Beamten- und Laufbahnrechts, um die Attraktivität des Berufsbeamtentums gegenüber Karrieren in der Wirtschaft zu steigern.
Das Beamtenverhältnis ist immer wieder Anfeindungen ausgesetzt. Wo sehen Sie seine besonderen Werte?
Das Berufsbeamtentum hat sich als solches bewährt und ist nicht ohne Grund fest in unserer Verfassung verankert. Gegenwärtig steht unsere Demokratie von außen und innen unter enormem Druck. Wir leben in einer Zeit der Umbrüche. Das geht an der Gesellschaft nicht spurlos vorüber. Bürgerinnen und Bürger sehen die Risiken der Zeit sehr klar, das hat auch die jüngste dbb Bürgerbefragung deutlich gemacht. Vor diesem Hintergrund ist das Berufsbeamtentum als stabile, neutrale und unabhängige Konstante in der bundesrepublikanischen Geschichte noch nie so wertvoll gewesen wie heute. Es garantiert gleichermaßen Sicherheit, Bildung und Daseinsvorsorge – unabhängig von der jeweils gewählten Regierung. Daneben ist es für die Dienstherrn – gerade in Zeiten des wachsenden Wettbewerbs um qualifizierte Menschen – eine wichtige Komponente bei der Fachkräftegewinnung, die nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.
Die Regelungsbereiche des öffentlichen Dienstes sind vielfältig – Bund, Länder, Kommunen, Ange- stellte, Beamtinnen und Beamte. Welche Aufgabe fällt hier dem dbb zu und wie sorgen wir für einen einheitlichen Standard des öffentlichen Dienstes?
Ich sehe die Vielfalt im dbb als unsere große Stärke. Um sie zu nutzen, braucht es aber natürlich eine gute Koordination. Innerhalb des Dachverbandes setze ich deshalb auf eine weiterhin gute, offene Kommunikation und enge Zusammenarbeit mit unseren Fachgewerkschaften und Landesbünden. Wenn wir unsere breit gefächerten fachlichen Kompetenzen ausspielen und Synergien konsequent nutzen, bin ich zuversichtlich, mit der dbb Familie wichtige Akzente für die Zukunft des öffentlichen Dienstes zu setzen. Dies liegt gleichermaßen im Interesse des Gemeinwesens, der Bürgerinnen und Bürger sowie unserer Kolleginnen und Kollegen.