
Der junge Blick – die Kolumne der dbbjb
Zwischen Wertschätzung und Wirklichkeit: Junge Beschäftigte im öffentlichen Dienst nicht aus dem Blick verlieren
Wer sich heute für den öffentlichen Dienst entscheidet, tut dies oft aus Überzeugung: für Stabilität, für Gemeinwohlorientierung, für einen sicheren Arbeitsplatz. Doch diese Entscheidung braucht mehr als Idealismus – sie braucht Verlässlichkeit. Und genau hier erleben viele junge Beschäftigte in Bayern aktuell eine wachsende Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
Die verzögerte Übertragung des jüngsten Tarifergebnisses auf die Beamtinnen und Beamten im Freistaat ist ein Signal, das viele irritiert. Während Tarifbeschäftigte nach intensiven Verhandlungen zu Recht von Verbesserungen profitieren, warten die Beamtinnen und Beamten – darunter zahlreiche Anwärterinnen und Anwärter sowie junge Kolleginnen und Kollegen – auf die zeit- und wirkungsgleiche Übertragung. Das sorgt nicht nur für Unverständnis, sondern untergräbt auch das Vertrauen in die Zusagen des Dienstherrn.
Gerade für junge Menschen am Beginn ihrer Laufbahn sind solche Verzögerungen mehr als eine politische Randnotiz. Sie wirken sich konkret auf Lebensentscheidungen aus: auf die Frage, ob man sich eine Wohnung leisten kann, ob der gewählte Berufsweg langfristig attraktiv bleibt, oder ob man sich doch nach Alternativen außerhalb des öffentlichen Dienstes umsieht. In Zeiten eines sich verschärfenden Fachkräftemangels kann sich der Staat solche Signale eigentlich nicht leisten.
Doch es geht um mehr als nur Besoldung. Es geht auch um die Frage, wie wir die Gesundheit der Beschäftigten im öffentlichen Dienst nachhaltig stärken. Die Anforderungen steigen – sei es durch Digitalisierung, steigende Fallzahlen oder wachsende gesellschaftliche Erwartungen. Gleichzeitig beobachten wir, dass psychische Belastungen zunehmen und Krankheitsausfälle steigen.
Gesundheitsförderung darf daher kein „Nice-to-have“ sein, sondern muss integraler Bestandteil moderner Personalpolitik werden. Das beginnt bei einer realistischen Personalbemessung und endet nicht bei ergonomischen Arbeitsplätzen oder Angeboten zur Stressbewältigung. Es braucht eine Kultur, in der Überlastung offen angesprochen werden kann, ohne dass dies als persönliches Versagen gewertet wird. Führungskräfte müssen hierfür sensibilisiert und befähigt werden.
Gerade junge Beschäftigte legen heute großen Wert auf Work-Life-Balance und ein gesundes Arbeitsumfeld. Wer hier nicht mit der Zeit geht, verliert im Wettbewerb um Nachwuchskräfte. Flexible Arbeitszeitmodelle, mobile Arbeit, aber auch präventive Gesundheitsangebote sind längst keine „Extras“ mehr, sondern Erwartungsstandard.
Als dbb jugend bayern setzen wir uns dafür ein, dass die Perspektiven junger Menschen im öffentlichen Dienst stärker in den Mittelpunkt rücken. Dazu gehört eine faire und zeitnahe Übertragung von Tarifergebnissen ebenso wie ein konsequenter Ausbau der Gesundheitsförderung. Beides ist kein Selbstzweck – sondern Voraussetzung für einen leistungsfähigen Staat.
Denn am Ende gilt: Ein starker öffentlicher Dienst braucht motivierte, gesunde und wertgeschätzte Beschäftigte. Und genau dafür lohnt es sich, jeden Tag einzutreten.
Ihr/Euer
Alexander Seeger
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