Die letzte dbb Bürgerbefragung hat gezeigt: Vor allem Beschäftigte im Staatsdienst sind inzwischen einer hohen psychischen Belastung ausgesetzt. Hauptursachen: Schichtdienst, Arbeitsverdichtung, Gewalterfahrungen. „Zum Teil bringt der Job das mit sich. Was sich da in den letzten Jahren aber an Verrohung der Sprache, an Gewaltbereitschaft und Rücksichtslosigkeit in unserer Gesellschaft ausgebreitet hat, baden vor allem eben auch die Kolleginnen und Kollegen im öffentlichen Dienst aus“, analysierte der dbb-Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach am 26. Juni 2024 die Ergebnisse.
Personalmangel erfordert bessere Arbeitsbedingungen
Andererseits fehlen dem Staat über 550.000 Beschäftigte. Deshalb muss der öffentliche Dienst attraktiver werden, fordert der dbb – auch beim Thema Arbeitszeit. Aufgabenkritik, Bürokratieabbau und konsequente Digitalisierung seien unabdingbar, so der dbb-Bundesvorsitzende. „Klar ist aber auch: Das wird nicht reichen. Damit die Kolleginnen und Kollegen gesund und motiviert bleiben und neue Fachkräfte gewonnen werden können, müssen die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Das Argument ‚Sicherer Arbeitsplatz‘, mit dem der Staat lange punkten konnte, ist angesichts des derzeitigen allgemeinen Arbeitskräftemangels deutlich entwertet worden. Für mich ist deshalb klar: Neben der Bezahlung muss der öffentliche Dienst auch bei den Arbeitszeiten attraktiver werden. Ohne individuelle Entlastung, auch durch mehr Flexibilität, wird es nicht gehen.“
Symposium Arbeitszeit
Bei einem Symposium zur Arbeitszeit Ende Juni bereitete sich der dbb unter Beteiligung seiner Mitglieder intensiv auf die Aufarbeitung des Themas in den kommenden Tarifverhandlungen vor. Mit Blick auf die tarifpolitischen Aspekte der Arbeitszeit suchte der dbb gezielt den Austausch mit Arbeitgebenden und Wissenschaft. Volker Geyer, Fachvorstand Tarifpolitik, erklärte: „Wir brauchen eine Diskussion, wie sich Arbeitszeit neu denken lässt. Entlastung lässt sich auf vielen Wegen erreichen. Oft wird es einfach darum gehen, vorhandene Überlegungen und Modelle aus anderen Bereichen daraufhin zu prüfen, ob sie für den öffentlichen Dienst tauglich sind. Denn klar ist: Eine ‚one-fits-all-Lösung‘ wird es nicht geben.“
Den Schwung, den das Symposium ins Thema gebracht hat, will dbb Tarifchef Volker Geyer auch mit in die Diskussionen vor der Einkommensrunde 2025 mit Bund und Kommunen nehmen. Die endgültige Forderung soll dann im Oktober dieses Jahres präsentiert werden. Zunächst sind aber wieder sogenannte Regionalkonferenzen geplant, in denen viel Raum für Gespräche mit Blick auf die Forderungsfindung sein wird. Für Geyer steht unabhängig davon bereits fest: „Wir brauchen intelligente Lösungen, bei denen die Beschäftigten selbstbestimmt entscheiden können.“
BBB: Attraktivere Arbeitsbedingungen!
Der BBB verfolgt das Thema mit Spannung. Gerade finden intensive Diskussionen mit der Bayerischen Staatsregierung statt, ob dem Thema „Personalmangel“ auch durch eine Aufstockung von Teilzeitkontingenten begegnet werden kann, vgl. Seite 14. Im Fokus steht hier zunächst der Beamtenbereich, der über gesetzliche Grundlage geregelt wird. Aber natürlich ist der gesamte öffentliche Dienst betroffen. Personalmangel geht alle an, denn die zu erledigenden Aufgaben bleiben die gleichen. Das führt überall zu Überlastung und Erschöpfung. Der BBB plädiert für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen. Die Aufnahme einer Tätigkeit mit höherem Stundenmaß muss erleichtert werden (durch flexiblere Arbeitszeiten, bessere Kinderbetreuung, etc.), bleibt aber immer noch die rein persönliche Entscheidung.