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Bayern

#Digitales Bayern 5.0

Bayerns neue Zukunftskommission treibt die Digita­li­sierung der Kommunen entschlossen voran. Finanz- und Heimatminister Albert Füracker im Interview mit dem BBB-Vorsitzenden Rainer Nachtigall über die Auswirkungen auf die Beschäftigten.

Rainer Nachtigall: Im Frühjahr 2024 wurde unter der Federführung des Finanzressorts die Zukunftskommission #Digitales Bayern 5.0 gegrün­det. Können Sie unseren Leserinnen und Lesern erklären, welche Ziele hier verfolgt werden? 

Albert Füracker: Unser Ziel ist es, die digitale Kommunalverwaltung in Bayern einheitlicher, schneller und mit weniger Büro­kratie zu gestalten – eine gewaltige Herausforderung. Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen sollen in ganz Bayern einen einfachen, digitalen Zugang zu nutzerfreundlichen, einheitlichen Online-Diensten wie z. B. der internetbasierten Kfz-Zulassung erhalten. Kommunale Beschäftigte sollen mit durchgehend digitalen Prozessen spürbar entlastet werden. Hierzu sitzen wir als Staatsregierung mit den Kommunalen Spitzenverbänden regelmäßig auf unterschiedlichen Ebenen – von Expertengruppen bis politischem Steuerungskreis – zusammen. Bis Ende 2024 erarbeiten wir gemeinsam, welche Maßnahmen für dieses Ziel nötig sind und wie eine künftige gemeinsame IT-Strategie für Staat und Kommunen aussehen kann. Wir überprüfen bestehende Strukturen und Prozesse auf Optimierungspotenzial und entwickeln sie im Sinne einer vollstän­digen Ende-zu-­Ende-Digitalisierung fort.

Mit dem ­Bayerischen Behörden­netz ­haben wir die ­Basis für eine ­sichere ­Kommunikation ­staat­licher und ­kom­mu­naler Behörden geschaffen.

Viele Gemeinden, Städte und Landkreise bieten ja bereits ohnehin eine Vielzahl an Online-Diensten an. Die Zukunftskommission fängt also sicher nicht bei null an?

Es gibt viele Vorreiterkommunen, die dank großem Engagement tatsächlich digital bereits hervorragend aufgestellt sind! Hiervon mache ich mir selbst ein Bild – beispielsweise an den Landrats­ämtern Fürstenfeldbruck und Cham sowie in Nürnberg oder auch bei kleineren Gemeinden wie Postbauer-Heng. Der Freistaat hat in der Vergangenheit tat­kräftig bei der kommunalen Digitalisierung unterstützt. Unser BayernServer stellt mo­derne IT-Lösungen wie die BayernCloud Schule – eine Plattform mit zentral gestellter Software für zeitgemäßen, digitalen Unter­richt an den bayerischen Schulen – und die BayernBox – kostenlosen Cloudspace für den Austausch von Daten für unsere Kommunen – sicher und hochverfügbar be­reit. Mit dem Landesamt für Sicherheit in der Informationstechnik ist Bayern im Länderkreis Vorreiter. Unsere Expertinnen und Experten bieten den Kommunen an­gesichts zunehmender Cyberangriffe wichtige Unterstützung. Mit dem ­Bayerischen Behördennetz haben wir die Basis für eine sichere Kommunikation staatlicher und kommunaler Behörden geschaffen.

Warum ist eine solche Kommission dann überhaupt noch notwendig? 

Der Fokus liegt darauf, gemeinsame Standards zu schaffen und den Einsatz neuer Technologien wie Künstlicher Intelligenz zu fördern. Die Bürgerinnen und Bürger wollen digitale Verwaltungsdienste einheitlich und flächendeckend nutzen. Die Kommunen im Freistaat unterscheiden sich aber stark im Hinblick auf die verfügbaren Ressourcen, weswegen sehr viele digitale ­Insellösungen entstanden sind. Indem wir uns mit den Kommunalen Spitzenverbänden für einheitliche IT-Strukturen stark machen, werden wir viele kleinere Gemeinden auf dem Weg in die digitale Zukunft entlasten. Die Arbeit der Zukunftskommission bedeutet, dass die Digitalisierung kein Privileg großer Metropolen bleibt, son­dern gleichmäßiger voranschreitet. Einheitliche Standards vermeiden Insel­lösungen und steigern die Effizienz der Zusammenarbeit zwischen den Kommunen und mit dem Staat.

In Zeiten des Fachkräftemangels hilft die ­Digitalisierung, Arbeits­­be­las­tung und Stress ­abzubauen. ­Unsere ­Beschäftig­ten werden durch neue ­Angebote auch selbst noch ­flexibler.

Was ändert sich durch die weitere Digitalisierung für die Beschäftigten beim Freistaat und in den Kommunen?

Die Digitalisierung bringt viele Vorteile für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir wollen beispielweise eine moderne und sichere Kommunikations- und Kollaborationsplattform zur Verfügung stellen – für einen schnelleren und einfacheren Austausch innerhalb der Verwaltung sowie mit externen Stellen. Insgesamt wird der Arbeitsalltag durch neue Technologien erleichtert: Routinen können automatisiert werden, es bleibt mehr Zeit für anspruchsvollere Aufgaben. In Zeiten des Fachkräftemangels hilft die Digitalisierung, Arbeits­belastung und Stress abzubauen. Unsere Beschäftigten werden durch neue Angebote auch selbst noch flexibler. Virtuelle Bürgersprechstunden vereinfachen zum Beispiel die Arbeit aus dem Home Office.

Sie haben den Einsatz Künstlicher ­Intelligenz angesprochen. Können Sie ein konkretes Beispiel geben, wie KI den Arbeitsalltag künftig verändern wird?

Beim Freistaat nutzen wir die Vorzüge von KI bereits im Arbeitsalltag der ­Steuer- und Vermessungsverwaltung sowie im Bereich der ­Beihilfeabrechnung. Wir wollen KI für alle Kommunen verfügbar machen. Künstliche Intelligenz kann beispielsweise bei der Bearbeitung von Anträgen wertvolle Unterstützung ­leis­ten. Durch den Einsatz KI-gestützter Assistenzsysteme können wir durch ­automatisierte Vollständigkeitsprüfungen und Dokumentenanalysen Zeit sparen, Fehler reduzieren und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlasten. Auch in der Bürgerberatung können Chatbots helfen, häufige Anfragen selbstständig zu beantworten oder den richtigen Ansprechpartner zu vermitteln. Die finale Entscheidung zu den unterschiedlichen Sachverhalten soll aber immer bei unse­ren gut ausgebildeten Beschäftigten bleiben und nicht durch KI-gestützte Systeme erfolgen. 

Bis Ende 2024 erarbeiten wir gemeinsam, wie eine künftige gemeinsame IT-Strategie für Staat und Kommunen aussehen kann.

Gerade im Umgang mit sensiblen Daten ist bei der Digitalisierung auch Sicherheit immer ein großes Thema. Was kann die Zukunftskommission hier beitragen?

Sicherheit hat höchste Priorität und ist auch ein zentrales Anliegen der vor Ort verantwortlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter! Wir setzen hier darauf, die noch verbliebenen Kommunen davon zu überzeugen, sich an unser Bayerisches Behördennetz als sichere Basis zur weite­ren Digitalisierung anzuschließen. Unser Behördennetz bietet als Kommunika­tionsnetz der Verwaltung höchstmögliche Ausfallsicherheit, einen gesicherten Internetübergang, ein E-Mailgateway mit Phishing- und Spamfilter und viele weitere Sicherheitskomponenten. Am Behörden­netz angeschlossene Verwaltungen profi­tieren darüber hinaus vom Schutz durch unser Landesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, welches das Behördennetz permanent überwacht und somit bereits präventiv tätig ist. 

Welche konkreten Maßnahmen werden als Erstes umgesetzt?

Wir haben gemeinsam mit kommunalen Vertretern Verwaltungsleistungen aus­­­gewählt, bei denen wir ein hohes Poten­­tial für Effizienzsteigerung durch Digitali­sie­­rung sehen, beispielsweise den Wohn­geld­antrag. Hier identifizieren wir Lösungen, um schnell voranzukommen. Zu den ersten Maßnahmen gehört auch die Pilotierung einer zen­tralen KI-Anwendung im IT-Dienstleistungszentrum des Freistaats, die wir perspektivisch für Staat und Kommunen be­reitstellen werden.
 

Abschließend, wie sehen Sie die Zukunft der kommunalen Verwaltung in Bayern?

Ich bin zuversichtlich, dass wir mit der Zukunftskommission #Digitales Bayern 5.0 die Weichen für eine effiziente und bürgerfreundliche Verwaltung stellen. Die Digitalisierung bietet enorme Chancen, die wir zum Wohle aller nutzen werden. Besonders für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehe ich viele positive Ver­änderungen, die ihren Arbeitsalltag er­leichtern und ihnen mehr Raum für kreative und anspruchsvolle Aufgaben geben.
 

Herr Füracker, herzlichen Dank für das informative Gespräch und viel Erfolg bei der weiteren Arbeit der Zukunftskommission #Digitales Bayern 5.0!

Vielen Dank!