Diese Befunde sind mehr als eine Momentaufnahme – sie sind ein Warnsignal für Politik und Verwaltung gleichermaßen und gleichzeitig Handlungsauftrag!
Auffällig ist: Nahezu alle als kritisch empfundenen Gefährdungspotenziale sind unmittelbar mit staatlicher Leistungsfähigkeit verknüpft. Wenn fast 90 Prozent der Befragten das Bildungssystem als großes Risiko für die Zukunft Deutschlands bewerten, deutet das nicht nur darauf hin, dass Lehrermangel besteht, oder Schulgebäude marode sind. Hier geht es um strukturelle Defizite öffentlicher Daseinsvorsorge. Bildung ist eine Kernaufgabe des Staates – und ihre Qualität hängt entscheidend von gut ausgestatteten, handlungsfähigen öffentlichen Institutionen ab.
Ähnlich verhält es sich mit den stark wahrgenommenen gesellschaftlichen Spannungen und der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich. Soziale Ungleichheit wird von der Mehrheit der Bevölkerung als Bedrohung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt gesehen. Ein leistungsfähiger öffentlicher Dienst wirkt hier stabilisierend: durch funktionierende Sozialverwaltungen, gerechte Steuererhebung, verlässliche soziale Sicherungssysteme und durch Präsenz staatlicher Institutionen, die Vertrauen schaffen. Wo der Staat sichtbar handelt, entsteht Orientierung; wo er ausfällt, wachsen Frustration und politische Radikalisierung.
Auch der Zustand der Infrastruktur – von Verkehrswegen über Verwaltungsgebäude bis hin zur digitalen Verwaltung – wird als hohes Gefährdungspotenzial eingeschätzt. Marode Straßen, langsame Genehmigungsverfahren oder überlastete Behörden sind keine Randprobleme, sondern beeinträchtigen unmittelbar Wirtschaftskraft, Sicherheit und Lebensqualität. Ein moderner, ausreichend ausgestatteter öffentlicher Dienst ist die Voraussetzung dafür, Investitionen umzusetzen, Prozesse zu beschleunigen und staatliches Handeln wieder als verlässlich erfahrbar zu machen.
Nicht zuletzt zeigen die Sorgen vor Cyberangriffen und digitaler Verwundbarkeit, dass staatliche Sicherheit heute weit über klassische Aufgaben hinausgeht. Schutz kritischer Infrastrukturen, Verwaltung sensibler Daten und Abwehr digitaler Bedrohungen erfordern hochqualifiziertes Personal, moderne Technik und klare Zuständigkeiten – all das ist ohne einen starken öffentlichen Dienst nicht zu leisten.
Die forsa-Umfrage macht deutlich: Vertrauen in den Staat entsteht dort, wo er handlungsfähig ist. Ein leistungsstarker öffentlicher Dienst ist kein Kostenfaktor, sondern eine Investition in gesellschaftliche Stabilität, wirtschaftliche Entwicklung und demokratische Resilienz. Wer die wahrgenommenen Gefährdungspotenziale ernst nimmt, muss auch dem öffentlichen Dienst entsprechendes Gewicht einräumen. Seine Rolle als Rückgrat eines funktionierenden Gemeinwesens darf nicht unterschätzt werden. Ein klarer Anspruch, aber auch Warnung an die bayerische Politik und Staatsregierung, die gerade ihr Engagement im Bereich des öffentlichen Dienstes zurückzufahren scheint.
Denn gerade im öffentlichen Dienst sieht die Mehrzahl der Befragten auch die Lösung vorhandener Probleme. Unter dem Punkt: „Der öffentliche Dienst kann in den folgenden Bereichen einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass Deutschland besser auf die vorhandenen Gefahren und Bedrohungen vorbereitet ist“ zählten fast 70 Prozent der Befragten Bildung (68 Prozent), Infrastruktur (68 Prozent) und Innere Sicherheit (61 Prozent) auf. Und immer noch 50 Prozent sahen den öffentlichen Dienst in Sachen Vertrauen in die Demokratie und Cyberkriminalität als wichtig an.
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